Eingang zu Kunst


Die Banane ziert Eingänge zur Kunst

Alle, die sich für Kunst interessieren haben die knallgelbe Spray-Banane sicherlich schon mal an einer Häuserwand gesehen. Die Banane sieht aus wie aus einem Comic entsprungen. Die sehr einfache Form in Gelb mit den wenigen schwarzen Strichen lässt einen das nach links gekrümmte Obst sofort erkennen. Der Name des Künstlers und Quasi-Erfinders der so Spray-Banane ist vielen jedoch unbekannt: Thomas Baumgärtel. 

Der in der Nähe von Köln geborene und aufgewachsene Künstler nennt sich selbst auch Bananensprayer. Baumgärtel kennzeichnet seit 1986 mit seiner Spray-Banane ganz sichtbar im öffentlichen Raum die Orte die er für bemerkenswert hält, weil sich Kunst darin befindet. Es handelt sich um eine Auszeichnung.

Mittlerweile findet man die gesprayte Banane an über 5.000 Wänden neben den Eingangstüren zur Kunst, nicht nur in Deutschland: Museen, Galerien, Kunsthallen und Kunstvereine,  tragen das inoffizielle Kunstlogo. Zu den bekannten Museen in Deutschland zählen: das K 20 in Düsseldorf, der Boros Bunker in Berlin, die Bundeskunsthalle in Bonn, das Museum Ludwig in Köln, das Museum Folkwang in Essen, Zeche Zollverein in Essen und viele mehr. In Frankfurt sind die Bananen beispielsweise in der Domstraße und in der Braubachstraße, dem Galerieviertel Frankfurts zu finden. 

Die documenta, die weltweit bedeutende und nur alle fünf Jahre stattfindende Ausstellungs-Reihe für zeitgenössische Kunst wurde ebenfalls mit Spray-Bananen geehrt. Baumgärtel sprayte neun Bananen 1992 für die neunte documenta. Die jeweils nur 100 Tage dauernde gigantische Ausstellung die sich über das gesamte Stadtgebiet von Kassel erstreckt, wird seit 1955 durchnummeriert. Auch Kunst-Orte in London, New York, Zürich, Moskau und Wien werden mittlerweile mit der Graffiti-Kunst-Banane geehrt. Sie stellt ein Geschenk dar, denn mit der Banane wird der jeweilige Kunstort geadelt.

Das war nicht immer so: Anfangs musste Baumgärtel heimlich sprayen, da eine Anzeige wegen Sachbeschädigung drohte. Die Angst vor einem Prozess war nicht unberechtigt. Graffitis waren eben nicht erlaubt und wurden als Schmiererei gesehen. Irgendwann wurden die Bananen jedoch als Auszeichnung anerkannt und Galeristen*innen und Museumsdirektor*innen fühlten sich geehrt, wenn ‚ihr’ Gebäude eine Banane bekam. Es gibt die Legende, dass der ein oder andere Galerist*in sich heimlich selbst eine Banane neben die Eingangstür gesprüht hat, um als hervorragender Kunstort anerkannt zu werden. Es ist quasi ein inoffizielles Gütesiegel, das die elitäre und kommerzialisierte Kunstszene durch die kostenlose Auszeichnung auch ein bisschen entlarvt.

Quelle: Britta Kadolsky

Gesehen in M`Gladbach.

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